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Überschrift
Ostfriesen-Zeitung, 21.05.2010
Datum:
21.05.2010
Inhalt
Mit dem „Kompass" zurück in den Alltag
HILFE Ostfriesische Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH erweitert ihr Angebot in Leer

In der erweiterten Tagesstätte „Tandem" in der Bergmannstraße 15 gibt es unter anderem ein Atelier, in dem die Besucher sich mit Pinsel und Farbe an den Leinwänden verwirklichen können. Landrat Bernhard Bramlage (Mitte) zeigte sich ganz begeistert von dem Angebot. BILDER: MALZAHN
Die ambulante Betreuung von psychisch Kranken gibt es bereits seit 2001. Die angegliederte Tagesstätte „Tandem" wurde jetzt deutlich erweitert.
VON WOLFGANG MALZAHN
LEER - Von Geld redet Prof. Burghardt Zirpins nicht. Der Geschäftsführer der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH sagt nur knapp „Das passt schon", als er auf die Kosten für die deutlich sichtbaren Erweiterungen in der Betreuung psychisch Kranker in Leer angesprochen wird.
Immerhin wurde der Hauptsitz der Tagesstätte „Tandem", am Brinkmannshof 10, gründlich renoviert. Dort gab es einen neuen Fußboden und einen neuen Sanitärbereich. Zugleich wurde der Keller mit den Freizeit-, Ruhe- und Werkräumen neu gestaltet.
Am auffälligsten sind aber die neuen „Tandem"-Räume in der Bergmannstraße 15. Dort sind zwei ehemalige Wohnungen zu einem Treffpunkt ausgebaut worden - mit einer Küche, in der Kochkurse veranstaltet werden können, mit einem Atelier für Maltherapie, mit einem Spiele- und einem Medienraum sowie einem Bereich für Sport- und Gymnastik. In der Bergmannstraße 26 wurde zugleich die ambulante psychiatrische Betreuung „Kompass" untergebracht, die es in dieser Form schon seit dem Jahr 2001 in Leer gibt.
In einer Feierstunde gestern verwies Landrat Bernhard Bramlage in einem Grußwort auf den hohen Stellenwert dieser Einrichtung. Psychische Erkrankungen könnten Menschen aus der Bahn werfen. Oft stießen die Kranken auf Abwehr und Ausgrenzung. „Da kommt man nur mit fremder Hilfe raus", sagte Bramlage. Das Thema Ausgrenzung ziehe sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Psychiatrie. Heute lasse sich dank vielfältiger Hilfs- und Betreuungsangebote das Leben auch mit einer psychischen Erkrankung meistern.
Psychische Schäden seien mittlerweile der häufigste Grund für den Verlust des Arbeitsplatzes. Wenn dann noch nach dem Verlust des Arbeitsplatzes existenzielle Probleme hinzu kämen, wenn sich der Partner abwende, sei die Teilnahme am „normalen" Leben nicht mehr möglich. Einrichtungen wie „Kompass" und „Tandem" seien hilfreich bei dem Versuch, den ersten Schritt aus der Isolation heraus zu meistern und sich wieder im Alltag zurechtzufinden.

Recht einladend wirkt das Spielezimmer, in dem es auch einen Fernseher gibt.
OZ-KOMMENTAR
PSYCHIATRISCHE VERSORGUNG
Keine „Macke"
VON WOLFGANG MALZAHN
Wer psychische Probleme hat, kann auch heutzutage längst nicht überall mit Verständnis rechnen. Zu viele Mitmenschen wissen einfach nicht, dass es sich um eine Erkrankung handelt, die sich jeder ebenso einfangen kann wie eine Blinddarm-Entzündung oder eine Grippe. Das sind keine Menschen mit einer „Macke", über die man sich lustig machen kann.
Umso erfreulicher das Engagement der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH in der psychiatrischen Versorgung in Leer. Wenn den Kranken per „Kompass" und „Tandem" eine Chance gegeben wird, sich im Alltag wieder etwas besser zurechtzufinden, dann ist schon eine ganze Menge erreicht.


