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Emder Zeitung, 23.03.2010
Datum:
25.03.2010
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Das Eis in der Küche war schnell gebrochen
Aus einem Praktikum wurde für einen psychisch Kranken ein „richtiger" Arbeitsplatz -zur Freude aller Beteiligten.
Von EZ-Redakteur
JENS VOITEL
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Emden. Klar war Giampaolo Abis am Anfang skeptisch. Dafür hat der Küchenchef des Borssumer Pflegeheims „Am Zingel" in den letzten zwölf Jahren schon zu viel erlebt mit Praktikanten. Aber bei Georg Süssen war er schon nach zwei Tagen vom Gegenteil überzeugt. Jetzt ist aus dem Praktikanten ein fester Mitarbeiter geworden. Gut für den Küchenchef, sehr gut aber vor allem für den ehemaligen Praktikanten. Denn Georg Süssen ist gehandicapt, arbeitete bislang wegen einer psychischen Erkrankung vor allem in der Cafeteria der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH (obw). Nun hat er den Sprung geschafft, in einem Job auf dem regulären ersten Arbeitsmarkt.

Gehörte schon nach kurzer Zeit zum Team: Georg Süssen und sein zufriedener Vorgesetzter, Küchenchef Giampaolo Abis (rechts), in der Küche des „Haus am Zingel" in Borssum. EZ-Bild: voi
„Georg musste man anfangs jedes Wort aus der Nase ziehen", sagt Küchenchef Abis und lächelt. „Er war sehr schüchtern." Als dann aber das Eis in der Küche gebrochen war, zeigte der 38-jährige Süssen, was er kann. Sein Chef: „Es ist hoch motiviert, stellt sich seinen Aufgaben und erledigt sie schnell und gut." Georg wisse inzwischen, wo alles steht, was er zu tun hat und komme auch mit dem Stress in der Küche gut zurecht. Er sei sehr zufrieden mit der Arbeit von Georg Süssen, sagt der Küchenchef. Die anfängliche Skepsis ist längst verflogen.
Zufrieden ist auch der Leiter des Borssumer Pflegeheims „Am Zingel", André Göhring: „Aus unserer Sicht ist so ein Praktikum sehr sinnvoll." Nur so könne man sich davon überzeugen, ob der Mitarbeiter für den Job geeignet ist. „Umgekehrt kann auch ein Praktikant ausprobieren, ob die Arbeit zu ihm passen könnte." Und auch die OBW ist zufrieden, einen Mitarbeiter fit für den ersten Arbeitsmarkt gemacht zu haben.
Im Fall von Georg Süssen spielte aber noch ein anderer Aspekt eine Rolle. Ihm half ein Programm der Landesregierung dabei, aus den Werkstätten der OBW heraus auf den regulären Arbeitsmarkt zu wechseln. „Budget für Arbeit" heißt das Programm im Fachjargon: das Geld, das ein Werkstattplatz für Behinderte kostet, wird dem Betroffenen zur Verfügung gestellt, damit sich dieser bei einem Arbeitgeber eine Leistung „einkaufen" kann. Das heißt: das Geld kann für eine Betreuungsleistung oder für eine Lohnsubventionierung eingesetzt werden. Das Ziel des Landes ist, Menschen mit Behinderung zu integrieren.
Das scheint bei Georg Süssen geklappt zu haben. Er hat zwar jederzeit die Möglichkeit, in die Obhut der OBW zurückzukehren, wo er auch weiter in einer Wohngemeinschaft lebt. Ansonsten aber hat er jetzt einen richtigen, wenn auch zunächst noch auf ein Jahr befristeten Arbeitsvertrag im Pflegeheim „Am Zingel".
Und so arbeitet er jeden Tag von 7 bis 14.30 Uhr in der Küche. Er hilft beim Frühstück-machen, schält Kartoffeln, wäscht Gemüse und räumt am Ende zusammen mit seinen Kollegen die Küche wieder auf. „Ich fühle mich hier sehr wohl", sagt Georg Süssen. Auch wenn ihm die Arbeit bei der OBW genauso gut gefallen hat, ist er froh, dass es jetzt mit dem Küchenjob geklappt hat. Und wer so von seinem Chef gelobt wird, der ist auch motiviert.


