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Überschrift
Ostfriesen-Zeitung, 21.01.2010
Datum:
21.01.2010
Inhalt
obw hilft Behindertenwerkstatt in Polen
EINRICHTUNGEN Vertreter der „Einrichtung zur Berufsaktivierung" aus Golaszewo sind zu Gast in Emden
Vier Tage lang dauert der Austausch der deutschen und polnischen Mitarbeiter. Auf dem Programm stehen Besichtigungen und andere Aktivitäten.

Der Leiter der polnischen „Einrichtung für Berufsaktivierung" in Golaszewo, Tadeusz Synoracki (5. von links), freute sich über die Gelegenheit, die Partnerwerkstätten der obw in Emden besuchen zu können. obw-Geschäftsführer Prof. Burghardt Z irpins (6. von links) begrüßte die polnische Delegation auf dem neuen Betriebsgelände an der Herderstraße. BILDER: ABBAS
EMDEN - Noch bis zum Freitag sind die vier Mitarbeiter der „Einrichtung zur Berufsaktivierung" aus dem zentralpolnischen Golaszewo in Emden zu Gast. Sie nehmen an einem Austausch mit der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH (obw) teil. Gestern besichtigte die polnische Delegation unter Leitung von Tadeusz Synoracki die Werkstätten und Räume der obw an der Herderstraße.
„Wir freuen uns, dass Sie uns hier besuchen. Der Austausch mit anderen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung bringt uns viele neue Einblicke", sagte obw-Geschäftsführer Prof. Burghardt Zirpins zur Begrüßung. Bereits seit 2006 stehe man mit den polnischen Partnern in Kontakt und habe auf vielen Ebenen Ideen und Gedanken miteinander ausgetauscht. „Wir wollen zusammen die Arbeit für Menschen mit Behinderung in der EU voranbringen", so Zirpins.
Der Leiter der „Einrichtung für Berufsaktivierung" freute sich über die Einladung nach Emden. „Polen steht mit seiner Arbeit für behinderte Menschen erst am Anfang. Wir sind für jede Hilfestellung dankbar", sagte Tadeusz Synoracki. Die Werkstätten unter seiner Leitung bestünden erst seit vier Jahren. „Erst seitdem Polen der EU beigetreten ist, entwickelt sich die Behindertenförderung." Momentan würden die Mitarbeiter in der Einrichtung in Golaszewo lediglich die Mindestversorgung von rund 150 Euro bekommen. „Diese Leute arbeiten aber den ganzen Tag. Sie sollten auch so bezahlt werden", sagte Synoracki. Es müsse sich dringend etwas ändern. Am Beispiel der obw sehe man, dass sich Behindertenförderung und Wirtschaftlichkeit nicht ausschließen.

Gespannt verfolgten die Besucher aus Golaszewo die Erklärungen von Frank Wollmann (links) zur Schleif- und Poliermaschine.
Geschäftsführer Prof. Zirpins wies in einer Präsentation noch einmal auf die positive Entwicklung der obw im vergangenen Jahr hin. „Die Zahl der Mitarbeiter und der Menschen, die unser Wohnangebot nutzen, ist erneut gestiegen." Außerdem sei durch den Umzug in das neue Gebäude die Zukunft der Arbeit mit behinderten Menschen in Emden gesichert. „Wer Arbeitsplätze sichern will, muss wachsen", sagte Zirpins. Bei der anschließenden Besichtigung der Werkstätten und Räume der obw zeigte sich die polnische Delegation beeindruckt.
„Das ist schon toll, was wir hier für Eindrücke mitnehmen können", sagte die 25-jährige Katarzyna Renn. Sie arbeitet bereits seit Beginn der Einrichtung in Golaszewo. „Die Arbeit mit behinderten Menschen macht sehr viel Spaß." Ihre Kollegin Karozina Koszna fügte hinzu: „Die Begeisterung, mit der diese Menschen ihren Job machen, ist enorm. Das ist in Emden sicherlich genauso wie bei uns zu Hause."

Katarzyna Renn
Heute gibt es für die polnischen Besucher noch ein umfangreiches Programm, bevor sie am Abend bei einem Essen verabschiedet werden. Morgen Früh treten sie die Rückreise an.
Die obw
Aus einer Elterninitiative von 1964 ging die Ostfriesische Beschäftigungsund Wohnstätten GmbH hervor. Seit 2006 trägt sie diesen Titel. Größter Gesellschafter ist mit gut 72 Prozent der Paritätische Wohlfahrtsverband, die Stadt Emden hält mehr als 20 Prozent der Gesellschafteranteile.
Die obw beschäftigt derzeit rund 710 Mitarbeiter in ihren Werkstätten und gut 400 Menschen mit Behinderung nutzen das Wohnangebot. Die Z ahl der Beschäftigen stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich an.
Seit dem Mai 2009 ist das neue obw-Gebäude an der Herderstraße fertig. Auf rund 6000 Quadratmetern gibt es dort unter anderem eine Werkstatt, Wäscherei und eine Gärtnerei.
Die Menschen mit Behinderung verdienen bei der obw gut 300 Euro im Monat. Das ist rund doppelt so viel wie behinderte Menschen im Landesdurchschnitt verdienen.


