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Überschrift
Ostfriese-Zeitung, 24.08.2009
Datum:
24.08.2009
Inhalt
Im Garten blühen psychisch Kranke auf
HEILEN Tagesstätte Tandem hat für seelisch behinderte Menschen eine Parzelle gepachtet
Tagesstätten-Leiterin Erika Bruns vor der mit Papierblumen geschmückten Parzelle des Kleingartenbauvereins „Abendfriede".
Einrichtungsleiterin Erika Bruns sieht Fortschritte bei der Eingliederung ihrer Klienten in den Lebensalltag.
VON GERWIN GRÄFE
LEER - Gartenarbeit als Psychotherapie? Tatsächlich, es funktioniert. „Der Zustand einiger Kranker hat sich merklich verbessert", sagt Erika Bruns. Sie leitet die Tagesstätte Tandem für psychisch Kranke am Brinkmannshof in Leer. Seit März pflegen und bewirtschaften Patienten der Einrichtung eine Parzelle auf dem Gelände des Kleingartenbauvereins „Abendfriede" am Windelkampsweg.
Die Tagesstätte ist Anlaufstelle für Menschen mit schweren und oftmals auch sehr langwierigen psychischen Erkrankungen. Sie leiden an Depressionen, Psychosen, haben Alkohol- und Suchtprobleme oder Persönlichkeitsstörungen. Viele sind schon lange nicht mehr in der Lage zu arbeiten oder nur am täglichen Leben teilzunehmen.
Die Pädagogen der Tagesstätte versuchen, die Erkrankten wieder an einen geordneten Tagesablauf oder an andere Menschen zu gewöhnen. „Wir haben es zuweilen mit Menschen zu tun, die den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen und zu keinen Aktivitäten mehr fähig sind", erzählt Leiterin Bruns.
Zusammen mit anderen zu kochen oder zu musizieren, hilft mitunter. Und eben auch Gartenarbeit. Einige seien dabei richtig aufgeblüht, erzählt Erika Bruns: „Eine Frau erinnerte sich durch die Arbeit an ihre Kindheit und entdeckte wieder Fähigkeiten, die längst verschüttet waren." Einige hätten wieder Selbstvertrauen geschöpft, nachdem sie Tomaten und Kräuter geerntet hatten.
Positiv habe sich auch ausgewirkt, dass die Kranken Kontakt zu Mitgliedern des Vereins haben. „Sie werden hier mit einer rührenden Herzlichkeit aufgenommen", freut sich die Tagesstättenleiterin. Ein Problem bei seelisch behinderten Menschen sei, dass sie sich isolieren.
Zweimal in der Woche bearbeiten die Patienten, oder wie Erika Bruns sie nennt, „unsere Besucher", die langgestreckte Parzelle. Das Grundstück haben die Betreuer mit lustigen Papierblumen ausstaffiert. Auch eine solche Dekoration ist ein Stück Alltagstherapie: „Es wirkt sich positiv aus, wenn sich unsere Besucher in einer freundlichen und aufheiternden Umgebung aufhalten", weiß Erika Bruns.


