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Heimatblatt, 13. Mai 2009

Datum:

15.05.2009

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Das Miteinander als Selbstverständlichkeit

Neues Werkstatt- und Dienstleistungsgebäude der obw in Emden eröffnet.

Ostfriesland. Mit der Schlüsselübergabe im Rahmen einer dreistündigen Feierstunde ist am vergangenen Freitag das neue Werkstatt- und Dienstleistungsgebäude der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH" (obw) an der Herderstraße im Emder Stadtteil Harsweg offiziell eröffnet und seiner Bestimmung übergeben worden.

„Hier haben die Menschen mit Behinderungen eine Heimat gefunden - ein Zuhause, wo arbeiten Spaß macht", sagte die niedersächsische Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann in ihrem Grußwort vor mehr als 100 geladenen Gästen und zahlreichen obw-Beschäftigten. Die Ministerin betonte, dass „Menschen mit Behinderungen ein Vorbild für uns als Gesellschaft sein müssten". Das Miteinander sei eine Selbstverständlichkeit. „Die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Behinderten gilt es anzuerkennen", sagte die Ministerin.

Sie habe den Mut und den Willen von obw-Geschäftsführer Professor Burghardt Zirpins bewundert, diesen acht Millionen Euro teuren Gebäudekomplex ohne öffentliche Hilfen umzusetzen. Zirpins: „Wir konnten nicht länger warten und mussten neue zweckmäßige Arbeitsräumlichkeiten schaffen." Den 7000-Quadratmeter-Neubau sieht er als Notwendigkeit, um letztlich auch im Wettbewerb weiter bestehen zu können. „Auf den Märkten genießt eine Werkstatt für Behinderte keinen Sonderstatus", bemerkte Zirpins, seit 1997 Geschäftsführer. Zudem hätten Menschen mit Behinderungen das Recht, zur Arbeit zu gehen.

„Gott sei Dank, dass wir dieses Gebäude jetzt haben", sagte die Ministerin und fügte hinzu: „Suchen Sie das Gespräch mit Behinderten in den Werkstätten." Als Investition in die Zukunft sieht Detlef Janßen den Neubau. „Wir haben große, helle Räume und kurze Wege", sagte der Vorsitzende des Werkstattrates der obw. Für die Mitarbeiter ein gutes Gefühl. Janßen: „Die Räume sind schön und schön teuer, aber das Geld ist hier besser angelegt als bei einer großen Bank."

Emden kann stolz sein, was aus den ehemaligen „ Ostfriesischen Beschützenden Werkstätten" geworden ist, sagte Emdens Oberbürgermeister Alwin Brinkmann. Auch zukünftig sehe er es als Verpflichtung an, dass die Stadt Emden weiterhin hilft. Die obw bietet einerseits ihren Beschäftigten individuell angepasste Arbeitsplätze und ist anderseits für Privat- und Industriekunden tätig. „Wir messen uns am Markt mit allen mittelständischen Unternehmen", sagte die Werkstattleiterin Silke Löbbert.


Die Sozialministerin informierte sich direkt am Arbeitsplatz in der neuen Halle: Dennis Denkener erklärte Mechthild Ross-Luttmann die Metallverarbeitung an einer modernen CNC-Maschine. Bild: Ulferts

„Wir haben mit der obw einen kompetenten, zuverlässigen Partner gefunden, der ganzjährig Qualität liefert", sagte Werner Reinisch. Als Mitglied der Geschäftsleitung der in Ulm ansässigen Firma „Hydro Building Systems GmbH" habe er vor acht Jahren - angeregt von Emdens Oberbürgermeister - erste Kontakte zur obw in Emden geknüpft. „Nunmehr haben wir eine erfolgreiche Geschichte geschrieben", sagte Reinisch.

Als „höchst interessante Aufgabe" hat der Emder Architekt Norbert Freitag seinen Auftrag gesehen, als er im Sommer 2007 mit den Entwürfen anfing. Mit einigen Zahlen verdeutlichte er die Größe dieses Projektes: 2,2 Kilometer Fundamente, 200.000 Kilogramm Stahl, 3,3 Kilometer Pfähle (275 Stück) und 35 000 Kubikmeter umbauter Raum, 7000 Quadratmeter Baufläche.

Die Wertschätzung und Wertschöpfung für Menschen mit Behinderungen ließ Dr. Hinderikus Klugkist, Vorsitzender der Lebenshilfe-Ortsverein Emden, ebenso wie die Ministerin anklingen. „Diese Menschen vollbringen wertvolle Leistungen. Einstellungsund umweltbezogene Veränderungen sind aber immer noch notwendig", sagte Klugkist. Der Auricher Landrat Walter Theuerkauf sieht es als Daueraufgabe an, Menschen mit Behinderungen in unsere Gesellschaft zu integrieren. „Das muss über Arbeit erfolgen." Deutschland biete zwar die besten Eingliederungsstätten, aber das Miteinander sei nicht das beste.

Als Schlusspunkt der Feierstunde resümierte Günter Famulla, Vorsitzender des Paritätischen Niedersachsen: „Die Menschen mit Behinderungen sind mehr und mehr in die Mitte der Gesellschaft gerückt. Vor 20 oder 30 Jahren wäre das so alles nicht möglich gewesen." Als nächste Baumaßnahme der obw, die Mitte des Jahres beginnen soll, kündigte Zirpins die neue Altentagesstätte in Friesland an. mau

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