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Emder Zeitung, 09.05.2009

Datum:

12.05.2009

Inhalt

Ministerin: „Ein Zuhause, wo arbeiten auch Spaß macht"

Der knapp acht Millionen Euro teure Gebäudekomplex ist fertig gestellt.

Von EZ-Redakteur MANFRED ULFERTS

Emden. Mit der gestrigen Schlüsselübergabe im Rahmen einer dreistündigen Feierstunde ist das neue Werkstatt- und Dienstleistungsgebäude der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH" (obw) an der Herderstraße im Emder Stadtteil Harsweg offiziell eröffnet und seiner Bestimmung übergeben worden.

„Hier haben die Menschen mit Behinderungen eine Heimat gefunden. Ein Zuhause, wo arbeiten Spaß macht", sagte die niedersächsische Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann in ihrem Grußwort vor mehr als einhundert geladenen Gästen und zahlreichen OBWBeschäftigten. Die Ministerin betonte, dass „Menschen mit Behinderungen ein Vorbild für uns als Gesellschaft sein müssten". Das Miteinander sei eine Selbstverständlichkeit. „Die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Behinderten gilt es anzuerkennen", sagte die Ministerin.


Die Sozialministerin informierte sich direkt am Arbeitsplatz in der neuen Halle: Dennis Denkener erklärte Mechthild Ross-Luttmann die Metallverarbeitung an einer modernen CNC-Maschine. EZ-Bilder: Ulferts

Mit Mut und Willen

Sie habe den Mut und den Willen von obw-Geschäftsführer Professor Burghardt Zirpins bewundert, diesen acht Millionen Euro teuren Gebäudekomplex ohne öffentliche Hilfen umzusetzen. Zirpins: „Wir konnten nicht länger warten und mussten neue zweckmäßige Arbeitsräumlichkeiten schaffen." Den 7000-Quadrat­meter-Neubau sieht er als Not­wendigkeit, um letztlich auch im Wettbewerb weiter bestehen zu können. „Auf den Märkten genießt eine Werk­statt für Behinderte keinen Sonderstatus", bemerkte Zir­pins, seit 1997 Geschäftsfüh­rer. Zudem hätten Menschen mit Behinderungen das Recht, täglich zur Arbeit zu gehen.

Kurze Wege

„Gott sei Dank, dass wir dieses Gebäude jetzt haben", sagte die Ministerin und fügte hinzu: „Suchen Sie das Gespräch mit Behinderten in den Werkstät­ten." Als Investition in die Zu­kunft sieht Detlef Janßen den Neubau. „Wir haben große, helle Räume und kurze Wege", sagte der Vorsitzende des Werkstattrates der obw. Für die Mitarbeiter ein gutes Ge­fühl. Janßen: „Die Räume sind schön und schön teuer, aber das Geld ist hier besser ange­legt als bei einer großen Bank."

Emden kann stolz sein, was aus den ehemaligen „Ostfriesi­schen Beschützenden Werk­stätten" geworden ist, sagte Emdens Oberbürgermeister Alwin Brinkmann. Auch zu­künftig sehe er es als Verpflich­tung an, dass die Stadt Emden weiterhin hilft. Die obw bietet einerseits ihren Beschäftigten individuell angepasste Ar­beitsplätze und ist anderseits für Privat- und Industriekun­den tätig. „Wir messen uns am Markt mit allen mittelständi­schen Unternehmen", sagte die Werkstattleiterin Silke Löbbert. Und im Dienstleis­tungsbereich verzeichne die obw weiter regen Zulauf.

„Wir haben mit der obw einen kompetenten, zuverläs­sigen Partner gefunden, der ganzjährig Qualität liefert", sagte Werner Reinisch. Als Mitglied der Geschäftsleitung der in Ulm ansässigen Firma „Hydro Building Systems GmbH" habe er vor acht Jah­ren – angeregt von Emdens Oberbürgermeister – erste Kon­takte zur obw in Emden ge­knüpft. „Nunmehr haben wir eine erfolgreiche Geschichte geschrieben", sagte Reinisch. Hier in Emden werden mecha­nisch bearbeitete Aluminium­teile für das süddeutsche Un­ternehmen angefertigt.



Als „höchst interessante Aufgabe" hat der Emder Archi­tekt Norbert Freitag seinen Auftrag gesehen, als er im Sommer 2007 mit den Entwür­fen anfing. Mit einigen Zahlen verdeutlichte er die Größe die­ses Projektes: 2,2 Kilometer Fundamente, 200 000 Kilo­gramm Stahl, 3,3 Kilometer Pfähle (275 Stück) und 35 000 Kubikmeter umbauter Raum, 7000 Quadratmeter Baufläche.

Die Wertschätzung und Wertschöpfung für Menschen mit Behinderungen ließ Dr. Hinderikus Klugkist, Vorsit­zender der Lebenshilfe-Orts­verein Emden, ebenso wie die Ministerin anklingen. „Diese Menschen vollbringen wert­volle Leistungen. Einstellungs­und umweltbezogene Verände­rungen sind aber immer noch notwendig", sagte Klugkist. Der Auricher Landrat Walter Theuerkauf sieht es als Dauer­aufgabe an, Menschen mit Be­hinderungen in unsere Gesell­schaft zu integrieren. „Das muss über Arbeit erfolgen." Deutschland biete zwar die besten Eingliederungsstätten, aber das Miteinanderleben sei nicht das beste. Da sollte man mal, so Theuerkauf, in skandi­navische Länder gucken.

Als Schlusspunkt unter diese Feierstunde resümierte Günter Famulla, Vorsitzender des Pa­ritätischen Niedersachsen:
„Die Menschen mit Behinde­rungen sind mehr und mehr in die Mitte der Gesellschaft ge­rückt. Vor 20 oder 30 Jahren wäre das so alles nicht möglich gewesen." Als nächste Bau­maßnahme der OBW, die Mit­te des Jahres beginnen soll, kündigte Zirpins die neue Al­tentagesstätte in Friesland an.


Schlüsselübergabe: Architekt Norbert Freitag, OBW-Geschäftsfüh­rer Burghardt Zirpins, Günter Famulla (Vorstandsvorsitzender des Paritätischen Niedersachsen), Ministerin Mechthild Ross-Luttmann.

Die OBW in Emden und der Neubau

Wirtschaftlich gesehen ist die „Ostfriesische Beschäftigungs­und Wohnstätten GmbH" (obw) mit einem erwirtschaf­teten Jahresumsatz von mehr als 21 Millionen Euro, fast 590 Arbeitsplätze für Behinderte sowie über 200 Mitarbeiter in den Einrichtungen ein mittel­ständischer Betrieb.

Die 1964 von einer Elternini­tiative geschaffene und als ge­meinnützige GmbH gegründe­te OBW Emden mit ihrem Einzugsgebiet aus Emden und den Landkreisen Aurich und Leer, hat sich in der Region zu ei­nem bedeutenden Wirtschafts­faktor mit sozialem Auftrag entwickelt. Die Emder Einrich­tung ist der größte soziale Trä­ger für Mitarbeiter in Ostfries­land. OBW bietet Menschen mit Behinderung Arbeit und selbstverantwortliche Lebens­führung im Rahmen ihrer in­dividuellen Möglichkeiten. Das neue Werkstatt- und Dienstleistungsgebäude der OBW in Emden umfasst insge­samt rund 7000 Quadratmeter. Ein Teil des neuen Gebäude­komplexes konnte bereits im Februar für die Metallverarbei­tung in Betrieb genommen werden.

Am gestrigen 8. Mai der zweite Bauabschnitt. Die neuen Ge­bäude an der Herderstraße im Stadtteil Harsweg sollen zum zentralen Standort der obw werden. Hier sind die Industriemontage (Lager/Logistik, Metallverarbeitung, Montage/ Verpackung, Näherei, CNC­Fertigung), die Floristik und Gärtnerei, die Wäscherei und Ledermanufaktur beheimatet. Auch Verwaltungs- und Auf­enthaltsräume gehören zum Neubau.

Die gesamte Baumaßnahme, die sich über rund zwei Jahre hingezogen hat, kostete rund acht Millionen Euro.
mau

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