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Überschrift
Ostfriesen-Zeitung, 10.03.2009
Datum:
10.03.2009
Inhalt
Behinderte sollen in Ruhe alt werden
SOZIALES obw planen neue Tagesstätte auf ihrem Gelände im Emder Stadtteil Friesland
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So sieht die neue Altentagesstätte der obw auf dem Reißbrett aus. Die Einrichtung wird 28 Plätze für ältere Men-schen mit geistiger oder mehrfacher Behinderungen haben, die dort tagsüber betreut und versorgt werden. Die Einrichtung entsteht im jetzigen Gebäude der Druckerei. Es wird für 830 000 Euro umgebaut.
VON HEIKO MÜLLER
EMDEN - Auf dem Gelände der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH (obw) im Emder Stadtteil Friesland wird eine neue Tagesstätte für ältere Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung ent-stehen. Sie soll Mitarbeitern des Unternehmens, die aus Altersgründen aus den Werkstätten ausscheiden, eine sinnvolle Gestaltung ihres Ta-ges in gewohnter Umgebung und Gemeinschaft sowie ei-nen fließenden Übergang in den Ruhestand ermöglichen. „Der Bedarf ist groß und wächst stetig", sagte Prokurist Gerold Davids auf Anfrage.
Die Tagesstätte wird in der jetzigen Druckerei eingerichtet. Das Gebäude soll für
830 000 Euro umgebaut und erweitert werden. „Es bleibt praktisch nur die Außenhüllestehen", sagte obw-Geschäftsführer Prof. Burghardt Zirpins. Die Druckerei wird in das neue Werkstattgebäude des Unternehmens an der Herderstraße in Harsweg umziehen.
Die Pläne für die neue Altentagesstätte sind fertig. Zirpins rechnet mit dem Baube-ginn in der zweiten Hälfte dieses Jahres. Bis dahin soll auch die Finanzierung stehen. Die Stadt Emden stellt in diesem Jahr 82 500 Euro als Zuschuss bereit. Zirpins hofft aber auf einen weiteren Betrag im kommenden Jahr. Die obw verhandeln auch mit dem Landkreis Aurich über eine finanzielle Beteiligung. „Von dort gibt es noch keine konkrete Zusage", sagte der Geschäftsführer. Er wies darauf hin, dass auch Behinderte ab 60 Jahren einen Eingliederungshilfanspruch haben, den die Stadt beziehungsweise der Landkreis erfüllen müssen.
Die neue Einrichtung wird 28 Plätze haben. Geplant sind unter anderem zwei große Gruppenräume, eine Küche, Sanitärräume, ein Pflegebereich sowie ein direkter Zu-gang zu der Turnhalle, die sich auf dem obw-Gelände in Friesland befindet. Die obw betreiben dort bereits seit 2006 eine eigene Altentagesstätte, die aber von Anfang nur als Übergangslösung betrachtet wurde. Dort werden zurzeit zwölf ehemalige Mitarbeiter im Alter zwischen 63 und 75 Jahren tagsüber betreut und versorgt. Davids: „Wir platzen aus allen Nähten."
Die Erzieherin Gerlinde Geiken und der Altenpfleger Bernhard Lutzki unterstützen die Besucher dabei, den Ruhestand zu gestalten und mit viel Leben zu erfüllen. Zu den regelmäßigen Angeboten gehören Musikstunden, Ausflüge Spaziergänge, gemeinsames Kochen und Essen, Gespräche und Gymnastik. „Im Vordergrund steht vor allem das gemeinsame Erleben des Alltags", sagt Lutzki. So könnten die Besucher leicht an ihre bisherige Erfahrungen in den Werkstätten anknüpfen.
Nach Angaben der obw steigt die Zahl älterer Menschen mit geistiger Behinderung. Verbesserte diagnostischen Möglichkeiten sorgten für eine höhere Lebenserwar-tung. Hinzu komme, dass die Nationalsozialisten während ihrer Gewaltherrschaft praktisch eine ganze Generation von Behinderten ermordete. Betroffene, die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurden, kämen jetzt in das Rentenalter.
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Gemeinsames Musizieren gehört zu den regelmäßigen Angeboten, mit denen die Erzieherin Gerlinde Geiken (rechts) sowie der Altenpfleger Bernhard Lutzki ältere obw-Mitarbeiter unterstützen, den Ruhestand zu gestalten. BILDER: MÜLLER/BEYER + FREITAG & ZEH


