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TeZett, 18.09.2008

Datum:

24.09.2008

Inhalt

Die Neandertaler waren da

40.000 Jahre altes Keilmesser belegt erstmals ihre Anwesenheit

Landwirt aus Holtland fand Feuersteingerät. 20 Jahre lag das Keilmesser auf seinem Dachboden.

Von TeZett-Redakteur Holger Szyska

HOLTLAND „Das ist der wichtigste Fund meiner Laufbahn." Dr. Wolfgang Schwarz, Leiter der Archäologischen Forschungsstelle der Ostfriesischen Landschaft, ist eigentlich ein zurückhalten­der Wissenschaftler. In der Villa Popken in Hesel wählte Schwarz am gestrigen Mittwoch den Superlativ, um der Presse die Bedeutung eines Fundstücks zu vermitteln. „Einen hervorragend erhaltenen Glücksfund" nannte der Archäologe ein 40.000 Jahre altes Steinwerkzeug, das ein Landwirt vor 20 Jah­ren beim Umpflügen seines Ackers in Holtland entdeckt hatte. Seither lag das Keilmes­ser auf seinem Dachboden. Durch glückliche Umstände gelangte es nun in die Hän­de von Dr. Wolfgang Schwarz, der deshalb stolz verkündete: „Die Anwesenheit der spä­ten Neandertaler im Landkreis Leer gilt als gesichert." Die direkten Vorfahren der heutigen Menschen hätten den Feuerstein so bearbeitet, dass sie ihn zum Schneiden und Schaben verwenden konnten -zum Beispiel, um einen Speer herzustellen. Der Experte Dr. Stephan Veil vom Landesmuseum Hannover bestätig­te eine erste Einschätzung der Ostfriesischen Landschaft. Er datiert das zwölf Zentimeter lange und sechs Zentimeter breite Steinwerkzeug mit einer halbrunden Arbeitskante und zwei Spitzen in das jüngere Mittelpaläolithikum, also die Weichseleiszeit".

„Lücke geschlossen"

Mit dem Artefakt werde eine Lücke geschlossen, fügte Dr. Wolfgang Schwarz hinzu. Andere Funde aus dieser Zeit stammen aus der niederländischen Drenthe im Westen sowie aus der Weser und Leine im Osten. Der nächstgelege­ne Fund im Süden stammt aus dem emsländischen Neulorup. Im äußersten Nordwesten sind Archäologen bislang nicht auf ein solch altes Steinwerkzeug gestoßen. Die Nordsee gab es vor 40.000 Jahren noch nicht. In der Gegend des Fundes, am Rande des Urstromtales von Leda und Jümme, gab es eine geringe Vegetation und eine der Kälte angepasste Tier­welt. Die Neandertaler lebten vermutlich in Zelten. An die Öffentlichkeit ist das Keilmesser gelangt, weil die von der Ostfriesischen Beschäftigten- und Wohnstätten GmbH (obw) unterhaltene Tagesstät­te Tandem in Leer gemein­sam mit der Kontaktstelle des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Landkreises ein archäologisches Projekt für Menschen mit seelischer Behinderung auf den Weg bringen will. Eines Tages präsentierte ein Mann aus Holtland, der anonym blei­ben will, dem Tandem-Päda­gogen Harald Akkermann sein Fundstück. Akkermann hatte den richtigen Riecher und übergab das Steinwerkzeug den Archäologen. Dann nahm die Sensation ihren Lauf.

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