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Überschrift
Ostfriesischer Kurier, 18.09.2008
Datum:
07.10.2008
Inhalt
Neandertaler in Ostfriesland
Archäologie: Landschaft präsentiert Dachbodenfund
Per Zufall gelangte ein Feuersteinwerkzeug, das vor zirka 35 000 Jahren von einem Neandertaler geschaffen wurde, zur Archäologischen Forschungsstelle der Ostfriesischen Landschaft.
LEER/KG - Der Beweis ist erbracht: Im Landkreis Leer lebten vor 35000 bis 40000 Jahren die Neandertaler. Der wichtigste Zeuge dieser Erkenntnis, ein faustgroßes Keilmesser aus Feuerstein, wurde gestern von Dr. Wolfgang Schwarz, dem Leiter der Archäologischen Forschungsstelle der Ostfriesischen Landschaft in Hesel, der Presse präsentiert.
„Es ist einer der bedeutendsten Funde", sagt Schwarz und hielt den grauen Feuerstein mit gelbbrauner Patinierung hoch. Die Oberseite ist flächig retuschiert, und die Kanten sind sorgfältig durch Abschläge nachgeschärft. Das Gerät mit einer stabilen, immer noch scharfen Arbeitskante sowie einer bogenförmigen Kante und einer Spitze taugte zum Schneiden und Schaben.
„Vor 40000 Jahren war in Ostfriesland Tundraklima. Die Gletscher reichten bis zur unteren Elbe, es war sehr kalt hier und die Nordsee war gerade dabei zu entstehen. Als Beutetiere gab es vor allem Kleinwild wie Hasen", erklärt Dr. Schwarz die Lebensumstände des Waffenträgers.
Bereits vor 20 Jahren wurde das Keilmesser beim Tiefumbruch einer Wiese in Holtland gefunden und vorläufig auf dem Dachboden verwahrt. Jetzt kam es durch einen Zufall ans Tageslicht und in die Hände des Archäologen der Ostfriesischen Landschaft: Ursprünglich wollte Harald Akkermann, Pädagoge bei der Tagesstätte Tandem, die von der Ostfriesischen Beschäftigungs- Wohnstätten GmbH (obw) unterhalten wird, gemeinsam mit Ulla Wulf-Baumann von der Kontaktstelle des Sozialpsychiatrischen Dienstes, ein archäologisches Projekt für Menschen mit seelischer Behinderung auf den Weg bringen. Dann stand eines Tages ein Mahn vor ihm und berichtete, er habe auf seinem Dachboden etwas liegen, was vielleicht zu dem Projekt passen könnte.
Wenig später hielt er das Feuersteinwerkzeug in der Hand und brachte es zur Ostfriesischen Landschaft. Dr. Stephan Veil vom Landesmuseum Hannover bestätigte, dass der blattförmige Schaber ins Mittelpaläolithi-kum, also die mittlere Altsteinzeit zu datieren ist.
Der Archäologe Dr. Schwarz ist begeistert vom unversehrten Zustand des Funds. „Nur einzelne Absplisse an den Arbeitskanten zeigen geringfügige Beschädigungen durch den Pflug." Bemerkenswert ist dieses Artefakt nicht nur wegen seiner sorgfältigen Herstellung, sondern auch wegen seiner einseitigen Oberflächenbearbeitung.
Auch der Pädagoge Harald Akkermann ist höchst erfreut über das Keilmesser: „Dieser Fund ist genau der richtige Start für das Projekt. Da sieht man gleich, wohin es führen kann, wenn man sich die Äcker und Wiesen einmal ein bißchen genauer ansieht."


