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Emder Zeitung, 21.08.20008
Datum:
21.08.2008
Inhalt
„Tische” als Thema zwischen Tee und Torte
Unter dem Motto „Tischlein deck dich" stellt die Kunstgruppe der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten 13 Bilder im Cafetje aus.
Von EZ-Mitarbeiterin Ana Radic
Emden. Unter dem Namen FarvEcht stellen neun Mitarbeiter der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH im Emder Cafetje am Stadtgarten für zwei Monate ihre Bilder aus. Die Kunstwerke sind im Rahmen der arbeitsbegleitenden Maßnahme entstanden, die wöchentliche Kurse für die Angestellten mit Behinderung ermöglicht.
„FarvEcht ist das plattdeutsche Wort für farbecht", erklärt Doris Rengel vom sozialen Dienst den Gruppennamen. Er stehe für die .Authentizität der Hobbyisten mit Behinderung. „Sie sind völlig echt und ehrlich im Umgang mit der Kunst und miteinander", sagt die Sozialpädagogin und führt die Besucher der Ausstellungseröffnung durch das Cafe. An den Wänden sieht man Malertische, Gartentische und Mittagstische. „Mit dem Thema kann jeder etwas anfangen", sagt Beate Jürgens-Wilke, die die Gruppe seit vier Jahren als künstlerische Leitung begleitet. „Die wöchentliche Arbeit mit den Behinderten ist für mich eine große Bereicherung", sagt sie und zeigt auf ein Bild mit dem Titel „Geburtstagstisch". „So ein Gemeinschaftsbild wäre in einer 'normalen' Gruppe nicht möglich gewesen. Hier hilft man sich gegenseitig".
Viel geholfen hat auch Lisa Ligmann. Sie ist sehbehindert und hat unter anderem die Leinwände vorbereitet. Hugo Brauckhoffs Collage versetzt den Betrachter an einen Kaffeetisch am Meer. Später solle das Bild einmal auf dem Flur seiner Wohnstätte hängen, wünscht sich Brauckhoff. Damit alle etwas davon haben.
Wer das Bild „Happy Birthday" nach der Ausstellung mitnehmen darf, ist unklar. Schließlich ist es in Gemeinschaftsarbeit entstanden. Streit wird es darum aber nicht geben, sind sich beide Amateurmaler einig. „Zusammen macht das Malen viel mehr Spaß als alleine".
Für Dieter Peters vom sozialen Dienst geht es bei der arbeitsbegleitenden Maßnahme um mehr als nur Spaß. Sie sei Teil des gesetzlichen Auftrags der Einrichtung. Es werde nicht nur Arbeit angeboten sondern auch die Entwicklung gefördert. In diesem Rahmen wird für jeden Betreuten ein Hilfsbedarf ermittelt. Vom westafrikanischen "Trommeln bis zum Schweißkurs kann anschließend aus einem breiten Unterrichtsangebot gewählt werden. „Durch die Kunst haben die Betreuten eine Möglichkeit, sich auszudrücken und ihre Persönlichkeit zu entfalten", sagt Peters. „Außerdem ist der Kurs ein Ausgleich zu der Arbeit in den Werkstätten und steigert auch die Leistungsfähigkeit".
Auch Johanna Richter vom Cafetje freut sich über die Kunstwerke. „Zuerst war ich skeptisch, aber jetzt wirken die Bilder unheimlich gut und passen auch thematisch zu meinem Cafè". Das nächste Projekt der Gruppe FarvEcht ist schon in Planung. Voraussichtlich werden die nächsten Bilder das VW-Werk schmücken.

Stellt ihre Bilder im Cafetje aus: die Gruppe FarvEcht. Christel Schulte, Frauke Lichtenberg, Barbara Neumann, Gerrit Schmidt, Hugo Brauckhoff, Margret Jürgens, Dieter Neugebauer, Beate Jürgens-Wilke, Lisa Ligmann, Frank Bakker und Johanna Richter.


