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Überschrift
Emder Zeitung, 25.11.2010
Datum:
25.11.2010
Inhalt
Ein Jahr der Orientierung
Über 3500 junge Menschen haben im Sommer in Ostfriesland allein im Bereich der IHK und der Handwerkskammer eine Berufsausbildung aufgenommen. Wie ist es ihnen ergangen? Sind ihre Erwartungen erfüllt worden? Was ist der Unterschied zwischen Schule und Lehre? Die Emder Zeitung fragte nach.
Teil 8: Elisabeth Bukowski, Auszubildende bei der Ostfriesischen Beschäftigungs und Wohnstätten GmbH in Emden.
Von EZ-Redakteur
JENS VOITEL
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Emden. Elisabeth Bukowski hat sich durchgebissen. Und da hatte ihre Ausbildung zur Bürokauffrau noch gar nicht begonnen. Die erste berufliche und persönliche Hürde hat die 20-Jährige aus Engerhafe nämlich bereits während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres genommen: „So nach ein paar Monaten war es richtig hart", sagt die junge Frau. Da hat sie sogar von der Arbeit geträumt. So stark waren die Eindrücke, die sie bei der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH (obw) gewonnen hatte. Jetzt hat Elisabeth bei der obw eine Berufsausbildung begonnen, eben genau dort, wo sie auch ihr Soziales Jahr abgeleistet hatte.
Bei Elisabeth Bukowski war schon während der Schulzeit in Aurich der Wunsch gewachsen, später beruflich im sozialen Bereich zu arbeiten. Zuvor nämlich war sie zu Hause mit dem Thema „therapeutisches Reiten" in Berührung gekommen und das hatte ihr gut gefallen. Als sie dann nach dem Besuch der IGS in Aurich und nach der Oberstufe das Abitur in der Tasche hatte, suchte sie sich einen Platz, an dem sie das Freiwillige Soziale Jahr verbringen konnte. „Die obw erschienen mir da genau richtig", sagt Elisabeth Bukowski. Die junge Frau arbeitete fortan in der Küche der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH, wobei es hier weniger um das Kochen als vielmehr um die Betreuung der behinderten Menschen ging. Elisabeth wurde dabei immer sicherer im Umgang mit den Gästen in der Küche, private
Gespräche wurden häufiger und die junge Frau war mehr denn je davon überzeugt, dass ein Beruf in diesem Bereich etwas für sie sein könnte - trotz der zwischenzeitlich auch psychischen Belastung.
Trotz vielfältiger Erfahrungen schwankte die Abiturienten allerdings weiterhin zwischen einem Ausbildungsberuf im sozialen Bereich und in einem Büro. Doch dann musste sich Elisabeth Bukowski gar nicht so richtig entscheiden, ihr bot sich die Chance, beides zu verbinden. „Ich habe mich auf eine Ausschreibung der obw beworben und den Ausbildungsplatz als Bürokaufmann bekommen." Fast nahtlos ging es nach dem Sozialen Jahr in die
Berufsausbildung.
Inzwischen kommen schon die ersten Gäste aus dem Küchenbereich der obw ab und zu mal im Büro vorbei, um nach Elisabeth zu schauen. „Sie fragen, ob ich nicht mal wieder runter komme", freut sich Elisabeth über die offensichtliche Sympathie, die man ihr entgegenbringt. Die 20-jährige ist sich ziemlich sicher, dass sie die richtige Wahl getroffen hat. Der Bürojob in einer Behindertenwerkstatt ist zwar wie jeder andere - aber dann auch wieder nicht.
Keine Verschwendung
„Der Umgang mit behinderten Menschen ist schon etwas anderes", sagt Ausbilderin Diana Bachmeier. Ansonsten gehe es natürlich in der Verwaltung der obw nicht viel anders zu als in einem anderen Unternehmen. Für Elisabeth Bukowski ist der Kontakt mit den Behinderten aber schon etwas besonders, sie freut sich dann auch über jeden Besuch aus ihrer alten Wirkungsstätte.
Die junge Auszubildende möchte im Rückblick das Freiwillige Soziale Jahr nicht missen. Es habe ihr Orientierung gegeben. Auf keinen Fall sei es ein verschwendetes Jahr gewesen, sagt sie. Für die obw war es ebenfalls ein Gewinn. Schließlich wusste man bereits, was man an Elisabeth hat. „Es muss auch passen", sagt Verwaltungschef Andreas Blaurock. Die Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH sei natürlich ein ganz normales Unternehmen, aber eben auch ein soziales Unternehmen. „Wer bei uns arbeitet, muss die Philosophie der obw natürlich mittragen.'
Elisabeth fühlt sich schon recht wohl auf ihrem Ausbildungsplatz. Nicht nur, dass sie die bereits bekannten Kollegen jetzt noch ein bisschen länger um sich hat, nicht nur, weil sie ihren Berufswunsch ziemlich genau getroffen hat, sondern auch weil sie merkt, dass sich bei ihr schon eine Menge getan hat. „Ich bin sicherer geworden, nicht mehr so schüchtern." Das vorgeschobene Freiwillige Soziale Jahr hat dazu sicher auch etwas beigetragen. Elisabeth hat sich halt durchgebissen.


