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Emder Zeitung, 23.10.2010

Datum:

25.10.2010

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Sozialeinrichtungen ab 2011 ohne Zivis

Auch die OBW muss sich auf Personalengpässe gefasst machen.

Von MIRIAM STABER

Emden. Sie arbeiten im Altenheim, im Krankenhaus und im Jugendzentrum. Auch in Kir­chengemeinden, beim Paritä­tischen, bei der Stadt und bei der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH (OBW) sind sie be­schäftigt: Zivildienstleistende. Insgesamt arbeiten in Emden derzeit 66 junge Männer bei 15 Trägerorganisationen.

Die Aussetzung der Wehrpflicht ist so gut wie beschlos­sen - im nächsten Jahr wird es keine neuen Zivis mehr geben. Die Hälfte aller Emder Zivis sind bei der OBW beschäftigt.

„Weit über 1000 junge Männer haben hier in den 46 Jahren, die es die OBW gibt, ihren Zivildienst geleistet", sagt der Geschäftsführer Professor Burghardt Zirpins. Die aktuell 33 jungen Männer leisten „ergänzende, unterstützende Tä­tigkeiten in einem Umfang, in dem unsere hauptamtlichen Kräfte das nicht können", erklärt Personal- und Sozialverwalter Andreas Blaurock.

Doch alle Zivis sind „arbeitsmarktneutral", das bedeutet, dass sie keine vollwertigen Fachkräfte ersetzen. „Aber oh­ne ihre Arbeit geht den Men­schen mit Behinderung ein ganzes Stück Lebensqualität verloren", sagt Blaurock. „Wir sind eine gemeinnützige

GmbH und führen hier einen Auftrag des Staates aus: Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft einzugliedern", bekräftigt Zirpins. Wenn die Wehrpflicht, und somit der Zivildienst, wegfalle, sei das nicht mehr in dem erstrebenswerten Umfang möglich.

Es ist laut Blaurock schwer zu planen, bei diesem „geringen Maß an Verlässlichkeit", das die Bundesregierung zeige: „Im Juli die Verkürzung, jetzt die Aussetzung". Aber die OBW-Führung hat einige Ide­en, die Personalengpässe zu überbrücken: „Das wird ein fließender Prozess sein, nach und nach werden die Zivis fertig werden", sagt Zirpins.

Er setzt auf eine freiwillige Verlängerung möglichst vieler junger Männer, außerdem auf das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Im Jahr 2001 hat die OBW das FSJ eingeführt und beschäftigt jetzt 20 junge Männer und Frauen in dem „Orientierungsfindenden Dienst". „Wir werden das FSJ ausbauen und so versuchen, möglichst gut auszugleichen", stellt Blaurock das Konzept vor. Außerdem werden vor allem die Fahrdienste von Zusatzkräften übernommen werden: vor allem von geringfügig Be­schäftigten. Auch Rentner oder Hausfrauen könnten einige Aufgaben übernehmen. „Und dann hoffen wir, dass Frau Schröder sich eine ordentliche Regelung überlegt und mal überdenkt, was für Konse­quenzen die Aussetzung der

Wehrpflicht für uns soziale Einrichtungen mit sich bringt", sagt Zirpins. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hatte im August das Konzept eines Freiwilligen Zi­vildienstes für junge Männer und Frauen vorgestellt - „wir warten jetzt auf die genauen Rahmenbedingungen, die sollten diesen Monat kommen", erklärt Blaurock.

Viele gemeinnützige Einrichtungen haben Angst vor eventuellem Männermangel unter den „Freiwilligen" - das bereitet der OBW aber noch keine Sorgen: „Unser wichtigstes Ziel ist erst einmal, die Zahl zu kompensieren". Die OBW hat schon in diesem Jahr nicht alle ihre Zivi-Stellen besetzt und auch an passenden Fachkräften mangele es. „Wir haben aber auch Kontakte zur Agentur für Arbeit und Berufsberatungsstellen", sagt Blau­rock. In den Wohnstätten für Menschen mit Behinderung werden die Zivis wohl am meisten fehlen, da dort das Engagement der jungen Leute direkt das Leben der Menschen mit Behinderung beeinflusse. Aber „Jammern bringt ja auch nichts - wir werben, so viel wir können, um die nächste Zeit zu überbrücken", bekräftigt der Geschäftsführer. • Heute im Wochenmagazin: Was macht ein Zivi eigentlich? Wir sprachen mit Christoph Constapel, der in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung in Harsweg seinen Zivildienst ableistet.

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